Fachbeitrag 1: "Potenzielle Folgen der Digitalisierungswelle auf die Mitarbeiter des Einkaufs"

 

Industrie 4.0: Mittlerweile in der Arbeitswelt zu einem richtigen Modewort avanciert, nimmt ihren ganz eigenen Einfluss auf die Unternehmen; allen voran besonders auf die Produkt- und Logistikbereiche. Industrie 4.0 verändert zudem die Art und Weise der Wertschöpfung.


Eine Fragestellung, die besonders operative Einkäufer noch bis vor ein paar Jahren umtrieb, war: Wie wirkt sich die Digitalisierung denn auf meinen Bereich, dem Einkauf aus? Wird dieser auch vollständig digitalisiert? Zu einem „Einkauf 4.0“ umgewandelt, wie es vermehrt in der Presse heißt?


Einige Experten sind der Überzeugung, dass der digitale Wandel in Deutschland auch die Einkaufsabteilungen in den Industriebetrieben sehr deutlich verändern wird. Die Verantwortlichen der Einkaufsabteilungen stehen dabei vielen Veränderungen gegenüber: Die Beschaffungsportfolios werden sich verändern; das Vernetzen mit Zulieferern und anderen Partnern wird sich zudem verbessern (..und wahrscheinlich sogar entlang der kompletten Lieferkette!). Mehr noch: Benötigte Daten werden den Einkaufsabteilungen zukünftig womöglich in „Echtzeit“ zur Verfügung stehen; und das, sowohl innerhalb der eigenen vier (Betriebs-)Wände, als auch die Daten, die von externen Partnern kommen. Solch eine bessere Vernetzung kann letztlich dazu führen, dass effizienter in den Einkaufsabteilungen gearbeitet werden kann.

 

Über die zukünftige Rolle von Einkaufsmitarbeitern in Unternehmen

Die Digitalisierung von Unternehmensabläufen war bislang in den letzten Jahren eher ein Kernthema von Produktions- oder Logistikbereichen. Der digitale Wandel umfasst aber nicht nur einzelne spezifische Abteilungen, sondern wirkt sich, allumfassend, auf so gut wie alle Bereiche eines Unternehmens aus; darunter zählt auch die Einkaufsabteilung.

Immer mehr Verantwortliche in den Unternehmen erkennen, wie wichtig es ist, mit dem Thema Digitalisierung Schritt zu halten; speziell die Digitalisierung des Einkaufs („Einkauf 4.0“) scheint sich dabei derzeit zusätzlich zu einem neuen Trendthema für Unternehmen zu entwickeln.

 

Viele stellen sich dabei die unangefochtene Kernfrage:

Inwiefern verändert der digitale Wandel die Einkaufsabteilung unseres Unternehmens?

Der digitale Wandel bringt den Einkaufsabteilungen in Unternehmen neue Chancen hinsichtlich der Gestaltung der Aufgabenbewältigung (→ neue technologische Hilfsmittel ermöglichen die Entwicklung „revolutionärer“ Lösungen für die eigenen Abläufe in der Abteilung), aber auch sicherlich neue Herausforderungen mit sich.

 

Eines steht fest:

Die Rolle und das Aufgabengebiet der Einkaufsmitarbeiter wird sich stark wandeln. Die Einkaufsabteilungen werden sich zukünftig neuen Anforderungen ausgesetzt sehen; dies verändert auch den Arbeitsalltag der Einkaufsmitarbeiter ganz erheblich.

Inwiefern?

Künftig werden diese andere Aufgaben übernehmen und andere Qualifikationen mit bringen müssen. Eine wesentliche Entwicklung, die sich abzeichnet, ist der Umstand, dass die Mitarbeiteranzahl sich in den künftigen Jahren voraussichtlich deutlich reduzieren wird.

Innovative Technologien optimieren Prozesse und machen Menschen arbeitslos. Neue technologische Lösungen optimieren die Prozesse; gestalten sie effizienter und effektiver – in einigen Fällen wird schlicht der Mensch als Arbeitskraft an bestimmten Ablaufspunkten aber nicht mehr als wirtschaftlich genug angesehen werden. Wozu einen Menschen aufwendig den Bedarf bestimmter Güter ermitteln lassen, wenn eine bestimmte Software, die selbe Arbeit in einer viel kürzeren Zeit verrichtet und somit dem Unternehmen auf lange Sicht viel weniger Geld kostet?

Operativer Einkaufsbereich am stärksten von Umwälzungen betroffen

Man schätzt, dass womöglich schon innerhalb der nächsten Jahre der operative und administrative Einkaufsbereich in den Unternehmen nahezu vollständig digitalisiert sein wird; dies bedeutet aber auch: das Berufsbild des „operativen Einkäufers“, so wie wir es heute kennen, wird es schon in wenigen Jahren nicht mehr geben. Die großen Umwälzungen im operativen Einkauf sind auch für die Prognose maßgebend verantwortlich, dass die Mitarbeiterzahl in den Einkaufsabteilungen in den nächsten Jahren (deutlich) schrumpfen wird. Eine weitere mögliche Entwicklung, wie sich sich in den nächsten Jahren ereignen könnte, ist zudem das komplette „Outsourcing“ von Einkaufsabteilungen.

 

Digitalisierung stellt höhere Anforderungen an Einkaufsmitarbeiter

Was für neue Qualifikationen wird der „Einkäufer“ in einem Unternehmen zukünftig womöglich brauchen? Vielmehr denn je werden die Einkaufsverantwortlichen in den nächsten Jahren ein breites Aufgabenspektrum abdecken müssen: dazu zählt beispielsweise die Übernahme von Controlling- und Beratungstätigkeiten sowie die Analyse von Daten. Einige Experten prognostizieren für den Einkaufsbereich von Unternehmen, dass der operative Einkauf nicht nur (möglicherweise) komplett wegfallen könnte oder drastisch in der Mitarbeiterzahl reduziert wird, sondern dass sogar die übrig verbliebenen Mitarbeiter im strategischen Einkauf eine weitaus höhere Qualifikation benötigen werden als zu früheren Zeiten.

 

Menschen bleiben wichtig im (strategischen) Einkauf

Menschen im Einkaufsbereich der Unternehmen werden zukünftig aber auch nach wie vor benötigt: im Kontakt mit Kunden und Lieferanten sind nach wie vor menschliche Fähigkeiten gefragt; der persönliche Kontakt, Soft Skills und eine ausstrahlende (und gewinnende) Sympathie lassen sich nicht von Computern automatisieren bzw. digitalisieren.

 

 

Autor: Eric Funke; 08.11.2019