Fachbeitrag 4: "Lohnen sich ETFs als Anlageform in einer Niedrigzinsphase?"

Eine Investition in ETFs wird unter Deutschen immer beliebter. Den Anbietern von ETFs spielt dabei die Grundmentalität der Deutschen in die Hände; denn die deutsche Bevölkerung liebt es zu sparen und achtet stets auf die Kosten. Was passt da nicht besser als eine Anlage in einen „kosteneffizienten ETF-Sparplan“?

 

Der folgende Artikel fokussiert sich darauf, darzulegen, inwiefern sich eine Investition in ETFs in einer Niedrigzinsphase lohnen kann. Wenn auf allen anderen Privatkonten „zinsmäßig“ nur Ebbe herrscht und nichts vorangeht, lohnt sich dann die Investition in einen ETF?

Weltweit sind die Zinsen auf einem niedrigen Niveau

Niedrige Zinsen: sind nicht nur ein Problem auf den Konten deutscher Anleger, sondern eine Erscheinung, die schon seit einigen Jahren weltweit vorzufinden ist. Die Deutschen spüren es möglicherweise nur ein bisschen stärker als andere Nationen, da die deutsche Bevölkerung ihr Geld gerne vorwiegend auf Girokonten, Sparkonten, oder anderen konservativen Anlagemöglichkeiten liegen lässt. Die deutsche Bevölkerung verspürt ein großes Bedürfnis nach „Sicherheit“, wenn es um ihr eigenes Geld geht. Zumal detailliertere Kenntnisse hinsichtlich der verschiedenen Anlageprodukte oft bei Otto-Normalverbrauchern gar nicht vorhanden sind; dies erschwert selbstverständlich auch den Blick über den „Teller-Rand“ und eine mögliche Investition in potenziell lukrativere Anlageformen.

Eine sicherheitsorientierte Anlagepersönlichkeit mag ja durchaus seinen Sinn ergeben; nur wenn diese gepaart wird mit der derzeitig vorherrschenden Niedrigzinsphase, führt dies letztlich bei den Anlegern zu so wenig Rendite, dass man schon gar nicht mehr von einer „gewinnbringenden Investition“ sprechen kann. In der schlechtesten aller möglichen Situationen, wenn die Inflation höher ist als die herkömmliche derzeitige Verzinsung, erwartet den deutschen Anleger dabei sogar Verlust (statt Gewinn). Das Geld des konservativen Anlegers wird also weniger, obwohl er es in die etablierten Sparkonten „investiert“ hat.

Etwas versiertere (Privat-)anleger sind sich dieser Problematik durchaus bewusst. Und sehen sich auf dem Markt nach anderweitigen Finanzprodukten, wie den ETFs um. Es ist Geld vorhanden und es soll nun möglichst renditeträchtig investiert werden.

Aktiv verwaltete Fonds wecken zunächst das Interesse

 

Bevor deutsche Anleger meist mit ETFs in Berührung kommen, interessieren sie sich zumeist grundsätzlich für das Thema Investmentfonds. Immerhin wird ein Investmentfonds aktiv von einem Manager verwaltet – was vielen wiederum gefallen dürfte, da dies wieder Sicherheit in Form von „Geborgenheit“ verspricht: da „kümmert“ sich jemand versiertes (ein Experte) um meine Anlage. Der Fondsmanager des aktiv verwalteten Fonds hat nun die Aufgabe, das Vermögen des (Privat-)anlegers zu mehren, in dem er die richtigen Entscheidungen trifft und das Portfolio so gestaltet, dass es letztlich eine zufriedenstellende Rendite (für den Anleger) abwirft.

(Risiko-)Diversifikation bringt Stabilität in das Portfolio

Bei Fonds wird das (Anlage-)Vermögen auf verschiedene Assetklassen verteilt, damit wird eine (Risiko-)Diversifikation bewirkt. Mit dieser Streuung des Risiko auf verschiedene Anlagemöglichkeiten verringert sich in aller Regel das Gesamtrisiko für den (Privat-)anleger und das Portfolio wird somit stabiler.

Bei ETFs ist das Maß der Streuung abhängig vom abzubildenden Index; umso breiter dieser aufgestellt ist, umso größer ist auch der Grad der Streuung des ETF. Die Risikodiversifikation ist ein interessanter, zu berücksichtigender Faktor, in einem Anlegerportfolio; die Berücksichtigung dieser führt aber nicht unweigerlich zu einem Erfolg der Anlage. Mit der Risikodiversifikation lässt sich – plakativ formuliert – letztlich nur mehr Stabilität in das Portfolio hineinbringen. Diese Stabilisierung des Portfolios kann (unter bestimmten Umständen) letztlich dem Anleger unter dem Strich mehr Rendite einbringen, muss sie aber nicht.

 

In den Medien und unter deutschen (Privat-)Anlegern an Popularität haben mittlerweile aber auch die sog. „Indexfonds“ gewonnen. Was macht ein Indexfonds? Er versucht bestmöglich einen bestimmten Index, wie z. B. den DAX ab- bzw. nachzubilden.

Nicht alle ETFs replizieren physisch

Der Unterschied liegt wie so oft aber im Detail. Denn einige ETFs bilden gar keinen realen Börsenindex samt Wertpapiere ab (physische Replikation), sondern replizieren lediglich synthetisch. Bei den Synthetischen wird erst über bestimmte Tauschgeschäfte, den sog. „Swaps“, die Wertentwicklung der jeweiligen Wertpapiere (des gewünschten Index) in das Portfolio geholt. Diese Variante von ETFs gilt jedoch als äußerst kompliziert und risikobehaftet.

Das in ETF investierte Anlagevolumen steigt stetig. Mittlerweile kann von einem regelrechten „Trend“ gesprochen werden; so populär sind ETFs inzwischen unter den deutschen Anlegern geworden. Dazu beigetragen haben sicherlich auch ihre Vorzüge, die sie gegenüber herkömmlichen Investmentfonds aufweisen.

Die Vorzüge von ETFs gegenüber klassischen Investmentfonds

  1. ETFs sind für gewöhnlich preisgünstiger:

    Warum das?

    Die bessere Konstenstruktur ergibt sich einerseits, weil ETFs lediglich passiv verwaltet werden (mit geringeren Gebühren). Zusätzlich entfällt bei ETFs der Ausgabeaufschlag, der normalerweise bei Investmentfonds vorhanden ist (beim An- und Verkauf). Ebenso gibt es bei ETFs keine Geühren für die Rücknahme.

  2. ETFs sind transparenter:

    Bei herkömmlichen Investmentfonds wird der Anteilspreis meist nur einmal am Tag ermittelt. ETFs hingegen werden an der Börse gehandelt; ihr Kursverlauf ist somit über den gesamten Tag während der Handelszeit von den (Privat-)anlegern einsehbar.

  3. ETFs sind flexibler:

    Zu den regulären Handelszeiten an der Börse können (Privat-)anleger ihre ETF-Fondsanteile jederzeit an- und verkaufen; das bedeutet: es liegt eine enorme Flexibilität vor. (Privat-)Anleger können auf diese Weise flexibel reagieren auf Marktveränderungen, politische Geschehnisse oder schlicht ihre eigenen aktuellen persönlichen Präferenzen.

ETFs sind kostengünstig, bringen die mir deshalb mehr Rendite?

Eine günstige Kostenstruktur bedeutet dabei aber nicht zwangsläufig, dass die Rendite bei einem ETF besser ausfallen wird als bei einem Fonds. Die Rendite von Fonds oder ETFs ist von einer Vielzahl von Faktoren abhängig, die Anlagekosten, sind nur einer von ihnen, der in die Endrendite miteinfließt. Im Wesentlichen stellt sich die Frage, ob es bei den aktiv verwalteten Fonds dem jeweiligen Fondsmanager gelingt den „Markt zu schlagen“, also eine Überrendite zu erzielen; in diesen Fällen stellen sich aktiv verwaltete Fonds als eine sehr interessante Anlageform heraus.

 

Grundsätzliches Anlagerisiko existiert auch bei ETFs

Wie bei jedem anderen (Anlage-)portfolio auch besteht sowohl bei Fonds als auch bei ETFs ein gewisses (Anlage-)Risiko. Die Bewegungen und Entwicklungen an den Finanzmärkten nehmen stetig Einfluss auf die Kurswerte der im ETF-Portfolio abgebildeten Wertpapiere. Bei Fonds und ETFs ist das (Anlage-)Risiko aufgrund der gegebenen Diversifikation zwar gestreut und damit schwächer, es kann aber sicherlich nicht ganz ausgemerzt werden. Wenn die abgebildeten Wertpapiere im ETF-Portfolio in der Summe im Minus stehen, kann ein (Privat-)anleger deshalb auch mit der Investition in einen ETF Geld verlieren. Diese Gefahr mag besonders bestehen bei ETFs, die Indezes ganz bestimmter Branchen oder Themen abbilden (die Rendite ist hier stark abhängig von der jeweilig vorliegenden Konjunktur). In Abhängigkeit von der Zusammensetzung des Portfolios und des verfolgten Ansatzes können zusätzliche Risiken hinzukommen, beispielsweise Währungs- oder Kontrahentenrisiken. Auf alle Risiken von ETFs ausführlich einzugehen, würde aber den Rahmen dieses Artikels sprengen.


Fazit:

ETFs, die breite Indizes abbilden, sind aufgrund ihrer ausgeprägten (Risiko-)Streuung durchaus interessant für sicherheitsorientierte (Privat-)anleger, die ihr Geld langfristig anlegen wollen. In Zeiten niedriger Zinsen, in denen das eigene Vermögen auf den Giro- oder Sparkonten bestenfalls nicht an Wert verliert, kann es m.E. sinnvoll sein, einen Teil seines Vermögens in ETFs zu investieren, wenn man grundsätzlich bereit ist, ein (noch so kleines) Risiko einzugehen.

Für gewöhnlich gilt an der Wertpapierbörse: Wer in eine Anlageform mit potenziell hoher Rendite investieren möchte (z. B. Aktien), geht auch gleichzeitig dabei ein hohes Risiko ein. ETFs hingegen bieten (Privat-)anlegern in aller Regel eine relativ „gesunde“ Balance zwischen Anlagerisiko und zu erwartender Rendite. Daher sind ETFs m.E. als Finanzkonstrukt in Zeiten niedriger Zinsen für (Privat-)anleger durchaus als interessant einzuordnen. Im Gegensatz zu den konservativen Anlageformen (z. B. Girokonto) versprechen sie wenigstens etwas mehr Rendite.

Wer also nicht unbedingt sein Geld auf konservativen Anlageformen wie Girokonten „versauern“ lassen möchte, der kann durchaus mal einen (Selbst-)versuch mit (sicherheitsorientierten) ETFs wagen, um wenigstens ein bisschen Rendite in die eigene Kapitalanlage zu holen.

 

Dabei sollten Sie als (Privat-)anleger sich aber bewusst sein, dass es viele verschiedene Arten an ETFs auf dem Markt gibt. Sich über die genauen Funktionsweise und Beschaffenheit des auserwählten ETF-Produkts im Klaren zu sein, ist deshalb eine entscheidende Voraussetzung für den Anlageerfolg.

 


Autor: Eric Funke; 10.02.2020

Stand der Aktualisierung: 08/2019

Weiterführendes Literaturverzeichnis:

  • BaFin: Börsengehandelte Fonds: ETFs in der Niedrigzinsphase - Eine sichere Alternative? 19. Juni 2017. (Link - abgerufen am 01.08.2019)