Schriftstellerei: Ein Zeitzeuge berichte aus dem Jahre der Pandemie (Lyrik)

Es ist der hoffnungsvolle Wecker, der in seine Augen blickt. Mit Sphärik und eloquenter Mystik. Ihn vermögen rauszuholen aus seiner Welt. Jene, die er so sehr in Gedanken liebt. Ein Phantasmentraum. Es ist, so ist er sich sicher. Aber als sei er nicht sicher, ob nun real. Nun die Zeit reif, etwas Neues, von sich aus zu probieren.

 

In dieser Gegend voller Gefahren. Wo überall das Virus an den Wänden, nur kauert und lauert. Es an den Straßen klebt, beim Überfahren des Autos, sich wohl sicher mit überträgt. Wo ein Schritt, eine liebenswerte Hand zu berühren. Eine Gefahr vermag. Hat das eine der Obigen so fort beschworen. Ist es gewollt von der Welt, was hier passiere mit uns, so kalt und verfroren? Leid ist es. Was wir sehen vor den schwarzen Kästen, vor uns stehend und wir sitzend. Wir vermögen vieles nicht. Merkwürdiger aber als die Menschheit, ist. Das versiebte Potenzial, das wir in uns tragen. Ständig vor dem Spiegel stehend. Mit leerem Ausdruck in den Augen. Eine leerende Leere in den fantastisch weißbraunen Traubenaugen. Da draußen. Das bleibt da draußen. Und bleibt ungenutzt zu verbleiben, er traue es sich nicht, es selber zu vertreiben. Was, wenn wir nicht erleuchtet sein werden, was dann. Uns uns selber überlegen. Was wahrlich wichtig ist, für uns und diese Welt. Die Rasur? Der Gesichtsausdruck, vor dem Spiegel an der Wand? Der Kontostand, in beeindruckenden schwarzen Zahlen auf der Lieblingsbank? So lieblich geschmückt, für das teure Gemälde an der Wand? Für den Ford Fiesta oder dem Porsche, frivovoll fahrend durchs ganze Land? Die Schlieren, das Klirren, möglichst in Gedanken wegzuwischen? Diese glatte Oberfläche, martialisch und hart, ein Gegenstand - ein vernachlässigter Spiegel, oder unsere Seele genannt?

 

Auf nunmalige vier Sekunden Ver-Besinnung folgt nun die vielbemalige Be-Sinnung. Eine Klingel ertönt. Es war der Paketbote, der larifari. Voll in Larifari das Päckchen überreicht. Möglicherweise mit Viren. Beim Sprechen. Beim Berühren. Beim Anfassen, der noch von den Händen erwärmten Kartonage. In standardisierter Gestik. Mit Mimik weich, sympathisch, vertrauenserweckend. Sicher und traditionell. In diesen unsicheren Zeiten. Wie eh und je. Als sei alles so normal. Alles wie immer. So soll es also sein. Alles so sein, wie immer und für immer?

 

 

Autor: Eric Funke, 04.12.2020