Fachbeitrag 21 - Welche Chancen & Potenziale eine digitale Transformation der Beschaffung für (industrielle) Mittelständler bereithält

 „Die digitale Welle wird uns Mittelständler alle treffen!“, so verlautet (m. E.) überwiegend der Tenor der befragten Einkäufer und Supply-Chain-Profis im „Barometer Elektronische Beschaffung 2018“ (von BME1). Indes wird erkennbar: für den digitalen Wandel seien bisher die wenigsten gewappnet. Verbreitet sei in der Beschaffung nach wie vor eher ein althergebrachter Mix aus einzelnen digitalen Lösungen statt der Verfolgung einer einheitlichen Digitalstrategie.

 

Die (globalen) Marktverhältnisse werden für Einkäufer dynamischer und fordernder

 

Wir schreiben das Jahr 2021. Disruptive Innovationen sind Treiber der digitalen Wirtschaftswelle, deren Revolutionsintensität augenscheinlich noch epochale Ausmaße anzunehmen scheint. Medial-lastige Trendthemen im Einkauf sind dabei (u. a.) KI-Tools, Internet of Things sowie Prozessautomatisierung.

 

In vergangener Dekade wandelte sich das globale Geschäftsumfeld besonders ausgeprägt. Es herrscht mittlerweile vielerorts ein (Betriebs-)Klima und -Umfeld von Innovationsdruck, kürzeren Adaptionszyklen und schnelllebigerem Kundenverhalten. Viel wird sich versprochen von Digitalisierungsmaßnahmen. Mit Re-Organisationen und Prozessdigitalisierungen unter Verwendung modernster Technologien und Tools. Stand Februar 2021 weisen aber bisher nur wenige deutsche Betriebe einen ausgeprägten Digitalisierungs- und Automatisierungsgrad auf.

 

Kokett gemutmaßt: Intern wird meist viel Wunsch gedacht und fabuliert. Interne Hemmnisse & Hürden (z. B. (noch) mangelnde Mitarbeiterqualifizierung) scheinen jedoch wie Felsbrocken auf dem Wege kaum bewegbar, schließlich wird in der Praxis meist nur zögerlich oder bisher nur wenig mit Zufriedenstellung realisiert.

 

Chancen- und Potenzialnutzung: Wer zukünftig im Wettbewerb bleiben will, sollte auf lange Sicht seine Beschaffung digitalisieren


Die Wertschöpfungsarchitektur wird
sich spürbar und nachhaltig verändern. Ein gesamtes Heer an Einkaufsfunktionen und -prozessen kann zukünftig über modernere Technologien digitalisiert und somit optimiert werden. Wie Kommunikations-, Transport- oder Paymentlösungen. Mit einer digitalen Transformierung ganzer Bereiche würden (u. a.) die Arbeits- und Leistungsweisen weitgreifend innoviert. Wertschöpfungsketten werden flexibler und effizienter. Und die Konkurrenz wird sich dieser Potenziale ebenfalls bedienen. Denn: „Frohlockend“ winken dabei (u. a.) Kosteneinsparungen und eine wichtig gesetzte Zutat für die zukünftige Wettbewerbserhaltung. Und: Manch ein kognitiv-gelasteter Arbeitsplatz wird dabei entstehen, aber so manch' ein Praktischer entbehrt sich dabei. Überall da, wo eine Automatisierung realisierbar ist.

 

Die Stakeholderkommunikation wird nun in 2021 in den Betrieben noch detaillierter digitalisiert werden, als sie es ohnehin schon ist, intern sowie extern (z. B. Zu Lieferanten). Und der Wertschöpfungsarchitektur obliegt indes eine Kernstellung: Wird dort etwas modifiziert, so wirkt sich dies (meist) auf den gesamten Betrieb aus. Im Zuge einer digitalen Transformierung des Einkaufs wird es daher vonnöten sein, die strategische Rolle des Einkaufs in den Betrieben neu zu überdenken und zu positionieren. Generell bedarf es bei einer Digitaltransformierung von Wertschöpfungsprozessen, einer engen Abstimmung zwischen Beschaffung, Lieferkette und Logistik. Mit E-Procurement-Software kann ein intelligenteres und transparenteres Beschaffungssystem gestaltet werden, das den Einkäufern mehr zeitlichen Spielraum für strategische Aufgaben verschaffen wird (z. B. für Vertragsverhandlungen).

 

Aber: Für solch rosig-genießende Vorzüge, wie eingangs oben beschrieben, müssen jedoch erst einmal die Transformierungen in der Praxis gelingen.

 

Technologie-Spirit: Optimierung von Beschaffungsprozessen dank Big Data

 

Wird ins Digitale transformiert, so bilden sich regelrechte Datenberge. Mit Analysemethoden (Kopplungsanalyse, Predictive Analysis, Data Mining) werden sie analysiert, strukturiert und aufbereitet, um sie für Betriebe nutzenstiftend und verwendbar zu machen. In eine wahrnehmbare und verständliche Form werden sie über eine Visualisierungssoftware gewandelt. Big Data wird für Betriebe in 2021 noch mehr zum datenbasierten Erfolgsfaktor für zukünftige Entscheidungsprozesse.

 

Dabei gilt: Je umfangreicher vorliegende Datenmengen und -bestände, umso konkretere Prognosen sind machbar. Dieses Jahr werden etliche neue Tools und Technologien im Big-Data-Segment erhältlich sein. Für eine noch schnellere Umwandlung verfügbarer Rohdaten in eine nutz- und gewinnbringende Form.

 

Autor: Eric Funke, 12.02.2021

 

1 BME = Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik.

 

 

Weiterführend hinzugezogene Literatur:

  • Heintze, Nicola: Big Data – Techniken, Analysemethoden und Visualisierungs-Tools. Hamburg. Februar 2014. (abrufbar unter: https://users.informatik.haw-hamburg.de/~ubicomp/projekte/master-nm-2013/heintze.pdf)

  • Zafari, Fartash; Teuteberg, Frank: Der Weg zum Einkauf 4.0: Herausforderungen bei der Automatisierung und Digitalisierung im Einkauf – Eine multi-methodische Analyse am Beispiel der Logistikbranche. Osnabrück. (abrufbar unter: https://mkwi2018.leuphana.de/wp-content/uploads/MKWI_178.pdf)

  • mittelstand-heute.com: Einkauf 4.0: So geht intelligente Beschaffung. November 2020. (abrufbar unter: https://www.mittelstand-heute.com/artikel/einkauf-4-0-so-geht-intelligente-beschaffung)

  • Deloitte: Digitalisierung im Einkauf: Gewinntreiber mit Zukunftspotenzial. Innovative digitale Technologien heben die Optimierung des Einkaufs auf eine neue Stufe. (abrufbar unter: https://www2.deloitte.com/de/de/pages/operations/articles/digitalisierung-im-einkauf.html)