Kommentar: "Wie eine kognitive Leistungsorientierung mit Verantwortungsbewusstsein in einem „Burn-Out“ münden kann"


 

In einer Artikel-Veröffentlichung der „Wirtschaftswoche“ wird geschildert, dass eine Depression zunehmend Menschen treffe, die „sehr verantwortungsbewusst und leistungsorientiert“ seien.

Folgendes von mir bezieht sich hierauf basierend. Weiter wird folgend „Burn-Out“ mit „Depression“ gleichgesetzt; es sind sicherlich einige Aspekte hier zu unterscheiden. „Burn-Out“ wurde jedoch von mir in der Überschrift gewählt, um einen Bezug zur hiesig-etablierten Arbeitswelt hervorzuheben.

 

Ehrbaren Persönlichkeitseigenschaften obliegt Gefahrenpotenzial


Die von der Arbeitswelt erwünschten Persönlichkeitszüge der „Leistungsorientierung“ und des „Verantwortungsbewusstseins“ bergen m. E. das Gefahrenpotenzial, über ein von der sozialen (Arbeits-)umwelt nicht bestätigt-erfahrenes Selbstbild und nicht erfüllter eigener Erwartungshaltung an einem Burn-Out oder einer Depression zu erkranken. Wird das von sich selbst gewünschte Selbstbild in der eigenen Wahrnehmung von sich selber und/oder anderen nicht bestätigt, so kann es auf diese Weise zu einer Verringerung des eigenen Selbstwertgefühls kommen. Eine Depression korreliert oftmals stark mit dem Verlust des Selbstwertgefühls. Diese gut-heißenden Persönlichkeitszuge sind aber meines Erachtens nur ein von der hiesigen Sozialisierung (ein-)geprägte Marker, an dem das eigene Selbstbild (fast schon instinktiv) gemessen wird. Es könnte jedoch, sich in einem anderen Kulturkreis befindend, ebenso jeder x-beliebiger andere Marker bzw. Persönlichkeitszug sein. Weiteres Gefahrenpotenzial: Ein Individuum habe sich stark von sich selbst und seiner Gefühlswelt entfernt; besonders in einem langwierigen, sich nicht erfüllenden Hergang, die Erwartungshaltungen Anderer und von sich selber (stark prägend vom sozialen Umfeld) zu erfüllen.

 

Schlüsselfaktor: Wahrnehmung und Generierung des eigenen Selbstbildes

Die Szenerie mit Nachdruck noch einmal etwas näher veranschaulicht:

 

1.) Einer langfristigen und nachhaltigen Nicht-Bestätigung des eigenes Selbstbildes obliegt schließlich der Gefahr für den eigenen Selbstwert.

 

2.) Langfristiges Übergehen eigener Bedürfnisse, Befindlichkeiten und Gefühle, in der Hoffnung (u. der dringend erachteten Notwendigkeit), die Erwartungshaltungen doch noch erfüllen zu können, um somit wieder die Bestätigung zu erlangen. Dabei kommt es m. E. zu einem vom Individuum bewussten „Negieren“ eigener persönlicher Bedürfnisse, Befindlichkeiten u. Gefühle, weil dies und jenes eben gerade getan werden müsse - eben notwendig sei. Möglicherweise in einem Hergang sich vorfindend, in dem sich letzten Endes das Individuum vergeblich abstrampelt.

 

3.) Wesentlicher Bestandteil dieser Geschehnisse beim Übergang zu einem sich manifestierenden depressiven Zustandsbild ist, die nachhaltige u. sich prägende Verringerung des eigenen Selbstwertes, bei nachhaltiger Nicht-Bestätigung. Auf diese Weise wird ein Mensch geschaffen, der von sich selbst und der vorliegenden sozialen Umwelt ohne „Selbstbewusstsein“ wahrgenommen wird und so in der Gesellschaft herumläuft. Und mit diesem neu erlangten Wesenszug bzw. -erscheinung sogar erneut auf zusätzliche Weise negativ wahrgenommen u. bewertet wird, besonders im Arbeitsleben.

 

Interaktionen mit dem sozialen (Arbeits-)Umfeld

 

 Im Wiwo-Artikel wird erwähnt, dass vom direkten sozialen Umfeld der Situation Ratschläge wie „Nun reiß' dich mal zusammen“ erfolgen. Auf die Berufswelt umgemünzt, möglicherweise verbreitete Aussagen von Kollegen oder Vorgesetzten. Sind wir aber bereits an den Punkt angelangt, an dem das Individuum für die Umwelt sichtbare Ausschweifungen oder anderweitige Symptome zeigt, ist das Mühen um das eigene Selbstbewusstsein bereits verloren worden. Ratschläge wie Reiß dich mal Zusammen“ offenbaren Unkenntnis über die psychosozialee Situation. Sofern sich der Mitarbeiter tatsächlich im anspannenden und packenden Strudel einer Depression bzw. eines Burn-Outs befindet. In weiterer Konsequenz strampelt sich das Individuum noch mehr ab, da die Umwelt bereits seinen Zustand wittert und bei Erfahrung dessen negativ bewerten würde. Dass etwas mit dieser Person nicht stimme; das eigene Selbstbild sodann noch mehr in die Tiefe gerät. Möglicherweise in der schwellenden Panik, es folgen gar existenzielle Konsequenzen, wie z. B. ein Arbeitsplatzverlust.


Schutzmechanismus: Entkoppelung der Seele von der vorliegenden (Lebens-)Situation

 

 Weiter wird in dem vorliegenden Wiwo-Artikel ein Klinikleiter zitiert, der äußert, dass „bei einer schweren Depression […] sich auch der disziplinierteste Mensch [sich] nicht am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen [könne]“. Und von mir nun weitergeführt: es ist nun in diesem Zustand für das Individuum nicht mehr möglich, mit eigener Aktivität weiterhin eigene Bedürfnisse, Befindlichkeiten und Gefühle zu übergehen. Aber: sie werden möglicherweise gar nicht mehr wahrgenommen; denn kaum noch mit den eigenen Seelenaugen erkennbar. Es werde schlicht „nichts mehr gefühlt“, es läge „kein Selbstwertgefühl“ mehr vor. Wir sind nun angelangt bei der Gefühllosigkeit“, eines der markantesten Symptome eines „Burn-Outs“ bzw. einer „Depression. Nun etwas fabuliert von mir: Als würde sich nach einer langen Zeit der Fehl-Lebung des betroffenen Lebens der Geist bzw. die Seele sich von den Geschehnissen u. der Situation emotional entkoppeln zu versuchen und die Handbremse einzulegen. Und der Betroffene fällt in ein gefühlt schwarzes Loch, mit ebenso einhergehende Konsequenzen für die körperliche Gesundheit (u. a. Psychosomatisches Geschehen). Im Wechselspiel mit eigener Erwartungshaltungen u. sozialer Umwelt ist hier ein Individuum in ein schwarzes Seelenloch gestürzt. Weiterführend ist im Wiwo-Artikel nun die Rede, man solle nicht versuchen, „mit der Krankheit alleine klarzukommen“. Die Wahrnehmung des körperlich und nicht mehr funktionierenden Zustandes, ist es, was dem betroffenen Individuum nun noch zusätzlich auffallen kann bzw. für das praktische Weiterleben in die Quere kommt. Dass über psychosomatischem Wege, der Körper während des gesamten Depressionshergangs in gehörige Mitleidenschaft gezogen und wahrgenommen wird, sollte dabei nicht in Abrede gestellt werden.


Gibt es einen Weg um „Burn-Out“ im Arbeitsleben vorzubeugen?

 

Vorgebeugt wird aus Individualsicht m. E. der Etablierung einer psychologischen Depression in diesem Kontext, ganz einfach, indem das Individuum nicht über einen längerfristigen Zeitraum seine eigenen Befindlichkeiten und Gefühle übergeht. Sich möglicherweise sogar in letzter Konsequenz entkoppelt von den Erwartungshaltungen anderer Menschen bzw. dem vorliegend sozialen Umfeld. In so manch' Situationen muss dafür das derzeitige direkte soziale Umfeld verlassen werden; und sich anderen Menschen zugewendet werden; zusätzlich für die Erfahrung von Neu-Erlebnissen im psychosozialen Kontext. Viele Menschen mit einem geringen Selbstwert sehen jedoch nicht (mehr) das Potenzial und gar nicht erst die Möglichkeit des Wechsel der sozialen Umgebung; schon gar nicht als potenzieller Heilsbringer gegen eine Depression oder einen Burn-Out. Stattdessen verinnerlichen viele Menschen die negativen (Wert-)Urteile von sich selbst und ihres direkten Umfeldes, es brennt sich – relativ zügig und unerbittlich prägend - in ihre Psyche ein, lähmt sie und macht sie sodann machtlos, sich selber noch helfen zu können.

In diesen Strudel gerät man aber vorerst zunächst nur, wenn das eigene Selbstbild u. Selbstwertgefühl in hohem Maße über die Reaktionen anderer Menschen generiert wird. Fox Mulder (Akte X) sagte einst sinngemäß: „Würden Sie gerne anders Aussehen, Scully? Denken Sie mal darüber nach:. Ihre Umgebung würde auf Sie wohl völlig anders reagieren. Und vielleicht sind es ja die Reaktionen der anderen Menschen auf uns, die uns zudem machen der wir sind.“

 

Quelle der Eingangsinformationen:

  • https://www.wiwo.de/unternehmen/handel/psychische-erkrankungen-auf-dem-vormarsch-wie-chefs-richtig-mit-depressiven-mitarbeitern-umgehen/20640268.html 

 
Verfasser und Urheber: Eric Funke; 13.04.2020 (Aktualisiert: 19.06.2021)