"Wie über die mediale Präsenz der Optimierung der Geschäftskultur das Vertrauen der Bevölkerung in die Banken zurückgewonnen werden kann"

Paper propagiert: Akteure internationaler Bankhäuser seien unehrlich

 

Eine sehr interessante Analyse veröffentlichten im November 2014 die Autoren Cohn, Fehr und Marèchal (Titel: Business culture and dishonesty in the banking industry“). In ihr wird sich der öffentlichen Kontroverse von scheinbar unehrlichen Akteuren internationaler Bankhäuser gewidmet. Es wird angemerkt, dass Unternehmen und gar Länder auf lange Sicht nur leistungsfähig sind und bleiben, solange sie von der Bevölkerung als ehrlich wahrgenommen werden. Es ist die Rede von einem grundlegend notwendigen „Vertrauen in die Ehrlichkeit“.


Wir erinnern uns: das Vertrauen in die Bankhäuser und deren Akteure ließ in der Bevölkerung in den letzten zwei Jahrzehnten stark nach. Die noch im Bewusstsein persistierende Gesellschafts-Bilanz der Finanzkrise 07/08 ist sicherlich mitverantwortlich für das vorhandene Misstrauen. Und in den darauf folgenden Jahren prägten aufsehenerregende Finanzwelt-Skandale die mediale Landschaft. Nun das Interessante: Woher rührt eine augenscheinliche „Unehrlichkeit“ der Akteure von Banken? Selbst-schädigend: Ja, und zwar nicht nur mit den Negativ-Effekten auf die Geschäftsrealisierung und Reputation.

 

Bewusstsein um die Berufsgruppen-Zugehörigkeit führe zu unehrlichem Verhalten

 

In dem Paper wurde ein Blick auf die Mitarbeiter von großen, internationalen Bankhäusern geworfen. Mit einem überraschenden Resultat: Entgegen der offenbar landläufigen Meinung der Bevölkerung, lägen Bankhaus-Akteure im Allgemeinen ein ehrliches und kontrolliertes Verhalten an den Tag. In diesem Berufsumfeld zeige sich laut der Untersuchung aber eine feine psychologische Auffälligkeit. Wurde die berufliche Identität als "Banker" in den (bewussten) Vordergrund gerückt, neigten sie eher zur Unehrlichkeit. In anderweitigen Untersuchungen wurde offenbar bereits eruiert, dass diese spezifische psychologische „Eigenheit“ so bei anderen Berufsgruppen nicht vorläge. Die Hinweise verdichten sich nun darauf, dass die geläufigen Geschäftskulturen der Banken eine vertrauens-stützende Ehrlichkeitsethik unterlaufen; dass also meiner Ansicht nach tatsächlich an den etablierten Geschäftskulturen etwas aktiv optimiert werden müsse, um dem Phänomen unehrlich agierender Banker entgegenzuwirken. Es ist kein rühmlicher Gedanke, dass die existierenden und real-gelebten Werte und Kulturen in den Bankhäusern die Mitarbeiter zu unehrlichen  Verhaltensweisen im Arbeits- und Geschäftsalltag verleiten  sollen. 

 

Geschäftskulturen der Bankhäuser im Verdacht

 

Würde sich dies weiter bestätigen, scheint mir der Status quo aufgrund der vorliegenden Reputationslage nicht mehr hinreichend haltbar, weil nicht mehr gesellschaftlich und medial salonfähig. Es würde meiner Ansicht nach einer Optimierung der offenbar im Groß ähnlich-unzulänglichen etablierten Kulturen bedürfen - und dem Vorhaben sollte ein bedeutender Stellenwert beigemessen werden. Denn die Sichtweise der Bevölkerung auf die Bankhäuser ist essenzielle Grundlage für deren wirtschaftlichen Erfolg. Eine Realisierung der Optimierung könnte meines Erachtens schwierig sein. Mit hoher Wahrscheinlichkeit stützen sich die Werte und Kulturen auf dem Grundkern des Geschäftsgebahrens. Deren Geschäftstätigkeit und deren -felder werden bestimmte Verhaltens- und Vorgehensweisen (z. B. das Vergütungsmodell über Provision) bedingen, die zu Rentabilität und einem unternehmerischen Erfolgsmodell führen. Um etwas an der - real gelebten - Kultur zu optimieren, die offenbar großen Einfluss auf das Mitarbeiter-Mindset ausübt, müsste man möglicherweise das Geschäftsgebahren an sich berühren, was ziemlich weit greifen würde. Nur für eine Kulturoptimierung, zum Ziele einer Reputationssteigerung. Das Papier hier initiiert aber jedenfalls einen lohnenswerten Grundgedanken. Aufgrund der negativ angehauchten Reputationslage der Bankhäuser deren Kulturen einen größeren Stellenwert als Erfolgsfaktor zu zuzuweisen.  

 

Persönliche Schlussbetrachtung:

 

Es fragt sich, ob und in welchem Maße die Optimierung der Bankenkulturen das strategische Potenzial beherbergt, das Vertrauen der Bevölkerung zurückzuerlangen. Die Belegschaft müsste dafür auf ein tendenziell sozio-tauglicheres Mindset kognitiv geformt werden. Dies alleine würde aber noch nicht für eine Reputationssteigerung genügen. Es wäre notwendig, die Effekte in irgendeiner Form für die Bevölkerung sichtbar werden zu lassen und zu propagieren. Über aufwendige mediale Kampagnen würde es in das öffentliche Bewusstsein gelangen. Neutrale Studien und Untersuchungen würden die Banken dabei argumentativ und werbewirksam unterstützen. Inwieweit die "Banken-Propaganda" tatsächlich Erfolg haben würde, ist selbstverständlich ungewiss. In Anbetracht des großen Aufwandes und der notwendigen Berührung bzw. Beeinflussung des eigentlichen Geschäftsgebahrens sind möglicherweise andere Mittel zur Reputationssteigerung geeigneter.

 

Eruierung von Eric Funke; 27.03.2020 - (Aktualisiert am 18.12.2020)